BRUDERKUSS
KÜNSTLER · MOSKAU 1960 — BERLIN 2022

Dmitri Vrubel und der Kuss, der die Berliner Mauer veränderte

Wie ein Pressefoto, eine gerade geöffnete Grenze und der kompromisslose Titel eines Malers zu einem weltweit bekannten Bild wurden.

Eine Familienperspektive von Artemy Vrubel

6 Min. Lesezeit

Dmitri Vrubel bei der Neumalung des Bruderkuss-Wandbildes an der East Side Gallery im Jahr 2009

Dmitri Vrubel erneuert „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“ an der East Side Gallery, 2009.

Foto: Don Ludwig·CC BY 2.0·cropped responsively, no substantive edits

Die Gesichter sind politisch, doch das Bild war immer mehr als Politik. Dmitri Vrubel nahm eine bekannte Aufnahme von Leonid Breschnew und Erich Honecker und gab ihr auf einer Fläche, die eine Stadt erst kurz zuvor nicht mehr trennte, ein neues Leben. Das Ergebnis war keine Illustration der Geschichte. Es war eine Konfrontation mit ihr—groß, öffentlich und nicht zu übersehen.

Ein Pressebild wird zum öffentlichen Denkmal

Vrubel stützte das Wandbild auf eine Fotografie des sozialistischen Bruderkusses zwischen dem sowjetischen Staatsoberhaupt Leonid Breschnew und dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Auf der Mauer vergrößerte er das politische Ritual, bis es das gesamte Blickfeld einnahm.

Dann veränderte er seine Bedeutung mit einem Titel: „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben.“ Die Worte machten aus dem dokumentarischen Bild etwas Vieldeutigeres—politische Satire, Gebet und privates Bekenntnis zugleich. Die Stiftung Berliner Mauer weist darauf hin, dass der Titel auch aus Vrubels damaligen persönlichen Beziehungen entstand. So ist das öffentliche Werk eng mit seinem Künstler verbunden.

Berlin 1990: Freiheit auf Beton

Vrubel kam 1990 in das gerade vereinte Berlin. Zuvor hatte er an der künstlerisch-grafischen Fakultät des Moskauer Lenininstituts studiert und in seiner Wohnung eine Galerie betrieben. Seine Art, vorhandene Bilder neu zu bearbeiten, nannte er „Multimediagraffiti“.

Im Frühjahr bemalten Künstlerinnen und Künstler aus 21 Ländern 1,3 Kilometer der ehemaligen Grenzmauer mit 106 großformatigen Werken. Im September 1990 wurde das Ensemble als East Side Gallery eröffnet. Ein Bauwerk zur Kontrolle von Bewegung wurde zu einer offenen Galerie über Frieden, Freiheit und den Umbruch eines Kontinents.

„Die East Side Gallery ist der Sieg der Kunst über die Geschichte.“

— Dmitri Vrubel, Interview mit der Stiftung Berliner Mauer

Ein berühmter Kuss—und ein zweiter Akt der Erinnerung

Der Bruderkuss wurde zum bekanntesten Bild der East Side Gallery, war dort aber nicht Vrubels einziges Werk. Sein zweites Wandbild „Danke, Andrej Sacharow“ würdigte den sowjetischen Physiker, Dissidenten und Friedensnobelpreisträger, der sich für Menschenrechte und eine offene Gesellschaft einsetzte.

Gemeinsam zeigen beide Werke die Spannweite von Vrubels Blick. Das eine nimmt ein Bild staatlicher Macht und macht es emotional instabil. Das andere gibt moralischem Mut ein öffentliches Gesicht.

Neu gemalt, nicht eingefroren

Witterung, Schmutz und Vandalismus beschädigten die frühen Bilder der East Side Gallery. Während der großen Sanierung 2009 kehrte Vrubel zurück und malte sein Wandbild neu. Das Foto oben zeigt ihn mitten in diesem Prozess: den Künstler in einem Bild, das längst größer geworden war als sein ursprünglicher Moment.

Die Restaurierung machte das Werk nicht statisch. Besucher begegnen ihm bis heute mit Humor, Unbehagen, Zuneigung, historischer Neugier oder einer ausgestreckten Kamera. Diese Offenheit ist Teil seiner Beständigkeit.

1990 → 2026

Ein Familienerbe, von Hand weitergeführt

Als mein Vater 1990 den Bruderkuss auf die Berliner Mauer malte, wurde er zu einem der bekanntesten Bilder des 20. Jahrhunderts. Er starb 2022. Heute führe ich diese Geschichte in Berlin weiter—von Hand, ein nummeriertes BRUDERKUSS-Stück nach dem anderen, jedes mit eigenem digitalem Echtheitszertifikat.

DIE GESCHICHTE ALS OBJEKT

In Berlin von der Familie Vrubel gefertigt.

Ein nummeriertes, handveredeltes Wandobjekt mit NFC-gestütztem Echtheitsnachweis. Aktuell sind nur noch drei Stück verfügbar.

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